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Dienstag, 28. Juli 2015





Zitat Kevin (unsere zweite Wwoofing-Familie): "So you'll look at those thousand pictures when you're home and be like 'oh, seems like I've been there half a year ago'. Haha." Das meinter er, als Marie und ich ihm erzählten, wie weit wir damals schon mit unseren -regelmäßigen- Posts im Verzug waren. Aber hey, die Bilder hier sind über ein Jahr alt und mir fällt entgegen seiner Prophezeiung doch noch mehr als 'sieht so aus als wenn ich da gewesen wäre' ein.
Ich gehe nicht davon aus, dass das hier mein letzter Post für immer sein wird, aber mit etwas Verzug.. der letzte zu Neuseeland. Es gibt nämlich nur noch einen Teil zu erzählen und damit ich diesen nicht doch irgendwann vergesse, schreibe ich ihn endlich auf.

Marie und ich arbeiteten nun schon für 6 Wochen in Nelson im Hostel und hatten uns bereits einige Zeit vorher um richtige Jobs in der Saisonarbeit bemüht. Kurzfristig bekamen wir dann die Zusage vom Duncannon, eines Hostels in Blenheim. Sie könnten uns wohl einen Job vermitteln. Wir wussten mal wieder weder was genau, noch wann, noch überhaupt irgendwas. Dieser Wissensstand beunruhigt den gemeinen Backpacker irgendwann nicht mehr. 
Es folgten ein sentimentaler Abschied von Lisa und Laura, eine Tomatenplantage und nervige Zimmernachbarn. Wir fuhren jeden morgen gegen 6 Uhr mit einem Italiener und einem deutschen Pärchen aus unserem Hostel in Richtung der riesigen Gewächshäuser außerhalb der kleinen Stadt. Bei Sonnenaufgang war Arbeitsbeginn. Die zwei Vorarbeiter Frank und Barry und die anderen 20 Arbeiter, bestehend aus  Einheimischen und ein paar weiteren Backpackern, wiesen uns ein. Die Männer pflücken Tomaten und dünnen die Pflanzen aus, die Frauen klippen die 4 Meter hohen Planzen an, kontrollieren am Fließband, sortieren die Tomaten und schleppen an Erntetagen fast ununterbrochen 15 Kilogramm schwere Kisten. Mein erster Tag bestand aus 9 Stunden Kisten auf Paletten stapeln. Ich hatte noch nie so viele blaue Flecken auf einmal. Zum Glück wurde tageweise auch mal gewechselt. 'Spaß' gemacht hat dagegen das Clipping. Wir bekamen dafür jeder eine Art Trolley mit welchem wir über die Schienen zwischen den Pflanzenreihen fuhren und dabei die oberste neu gesprossene Pflanze in 3 bis 4 Metern Höhe nach einem bestimmten Schema mit einem Clip an der Schnur befestigten, die die ganze Pflanze hält. Die Trolleys sind ca 1,5 Meter lang und 50 Zentimeter breit und so hoch, wie man sie mühevoll und mit ganzem Körpereinsatz einstellt. Sie besitzen einen Motor und eine Geschwindigkeitsreglung. So sind wir mit einer Bauchtasche voller Clips durch die Reihen gefahren, in denen man kein Ende sah und haben stundenlang mit Musik auf den Ohren unsere Arbeit verrichtet. Von einer Reihe in die gegenüberliegende über den Boden dazwischen mit der Restgeschwindigkeit auf dem Trolley balancierend, sich deshalb noch eine Rüge einfangend, hatten Marie und ich doch auch unseren Spaß bei der ganzen Sache. 
Trotzdem war es kein Zuckerschlecken und als wir nachmittags im Hostel ankamen hatten wir so einen Hunger, dass wir uns erstmal mit packungsweise Keksen behalfen, dann natürlich schnellstmöglich die dringend nötige Dusche nahmen um anschließend Cornflakes mit Haferflocken und Honig zu uns zu nahmen und uns einigermaßen gesättigt zwei Stunden ins Bett zu legen. Dort genossen wir den Luxus eines Fernsehers. Er hatte 4 Kanäle. Auf dem einen lief alles übers Fischen, auf dem zweiten der australische Bachelor, auf dem dritten Kochsendungen und der vierte ging erst gar nicht. Was soll ich sagen, der Bachelor hat gewonnen. 
Leider waren nur die Wände unseres kleinen Zimmers keine richtigen Wände. Von ihrer Durchlässigkeit her erinnerten sie an Pappe. Man kann sich das Hostel sowieso sehr pragmatisch vorstellen. Es gibt jeweils eine riesige Küche für eine der zwei Sektionen. Riesig übrigens im Sinne von es ist eine Halle. Dort kochten wir jeden Abend in einem Abteil, damit wir auch noch etwas Vernünftiges aßen. Dann ging es zurück über den Hof zu unserem Zimmer. Jedes Zimmer hat den Eingang zum Hof und ist quadratisch geschnitten. 
Bereits bei unserer Ankunft hatten wir das Vergnügen zwei liebenswürdige Nachbarn zu treffen. Wir merkten gleich, dass unsere Wellenlängen kilometerweit entfernt lagen. Auf komische Aussagen dererseits trafen ein paar spitze Bemerkungen unsererseits. Zwischendurch gab es Klopfkonzerte weil sie nicht verstehen konnten, dass wir um drei Uhr bei ihrer lauten Musik nicht schlafen konnten und nachmittags um drei klopften sie dann, weil wir sie mit unserem Reden beim Schlafen störten. Wir waren dann auch gar nicht sonderlich überrascht, als sie damit prahlten, wieviele Drogen sie verkaufen würden und ob wir denn nicht auch Interesse hätten. Typisch, ein Working-Hostel mit bestimmt 200 derzeitigen Bewohnern, von denen die meisten eh wirkten als hätten sie was genommen und wir bekommen das Zimmer neben den seit Monaten eingesessenen Dealern. Drogen sind teuer, liebe Kinder. Da muss man wohl etwas mehr arbeiten. Nachdem wir uns mehrmals bei der Hostelleitung beschwert hatten, wurde es zumindest etwas ruhiger nebenan, die Tür schlossen wir trotzdem lieber ab.

Das Geld, welches wir verdienten war eigentlich für weiterhin entspanntes Reisen auf der Südinsel und in Australien gedacht. Wie ihr wisst, kam alles anders.. Das war ein sehr unwirklicher Abend, als ich den Anruf meines Freundes entgegennahm. So trat ich eines kalten Morgens ganz allein die Rückreise an. Ihr hättet Maries und mein Gesicht sehen sollen. Auf dem Boden am Busbahnhof Blenheim sitzend, kaum ein Wort herausbringend. Ich stieg in den Bus nach Picton, auf die Fähre nach Wellington und wieder in den Bus nach Auckland und schließlich saß ich im Flugzeug. Ich kam an so vielen Orten vorbei, die so viele Erinnerungen bargen. Ich schlief unterwegs der Einfachheit halber in Hostels, in denen Marie und ich zuvor bereits waren. Bye bye liebe Marie und liebe, besonders coole Bekanntschaften. Bye bye schöne Strände, Palmen und Natur. Bye bye Ozonloch, bye bye Sonnenbrand, Erdbeben und Vulkane, bye bye süße Hostels. Bye bye Bedbugs und Sandflies, ich werde euch nicht vermissen. Bye bye teure Lebensmittel, Flipflops und Jogginghosen. Bye bye ihr lieben Kiwis. Sieben Tage später landete ich in Deutschland.

Die obigen Bilder sind an meinem letzten Tag in Auckland auf dem Skytower entstanden. Das Wetter passte die letzten Tage zu meiner Stimmung. Es regnete und stürmte schließlich. Als es abends etwas aufklarte, kroch ich dann doch wieder unter meiner Decke hervor und fragte eine Zimmergenossin, ob sie mit mir rausgehen wolle.

Mein Flugzeug in Sydney am Flughafen.

Goodbye Nelson

Dienstag, 6. Mai 2014

Nach unserer Wanderung im Paradies hatten wir noch ein paar weitere Tage in Nelson eingeplant. Marie würde bald ihren 19. Geburtstag haben. Kevin ließ uns netterweise noch jeden Morgen arbeiten, damit wir Geld sparen konnten. Im Anschluss daran hatten wir schon ein Working Hostel gebucht, wo wir bereits die Zusage auf einen Job hatten. Wir wussten noch nicht was. Knochenarbeit, das war klar. Wir dachten an die vielen Weingüter in der Nähe von Blenheim, aber es half nichts, wir mussten abwarten und hoffen, dass wir Glück haben würden. Bei Saisonarbeit muss man arg aufpassen, dass man nicht an falsche Arbeitgeber gerät. Das wussten wir aus vielen Horrorstories, die uns Reisende erzählten. Nicht, dass wir uns hätten auf den Arm nehmen lassen, aber noch mehr Stress bräuchten wir nun wirklich nicht. Da das Hostel aber einen guten Ruf hat, waren wir erstmal froh, dass wir letztendlich doch noch einen Platz bekamen und genossen noch die verbleibenden Tage in unserer kleinen neuseeländischen Heimat. 





Abel Tasman // Awaroa Beach and Water Taxi

Donnerstag, 1. Mai 2014

Der letzte Tag im Paradies war für uns geplanterweise sehr entspannt. Wir hatten das zeitlich letzte Wassertaxi von Awaroa nach Marahau gebucht. Wir machten also einen einstündigen und somit für uns ziemlich entspannten Spaziergang zu dem Strand, von wo uns das kleine Boot gegen drei Uhr abholen würde. Zusammen mit der Polin Anna, die in die Richtung wanderte, aus der wir gekommen sind, machten wir uns auf den Weg in Richtung des Cafés. Ja, richtig, Café. Schon wieder. Hier hatten wir am Vorabend bereits leckere Pommes gegessen. Anna spendierte uns ein Getränk, ich nahm ihren Müll mit. In der Wildnis muss man sich halt helfen.. haha.

















Leben und Tod sind eins, so wie der Fluss und das Meer eins sind.

Dienstag, 8. April 2014



Mit diesem Zitat von Khalil Gibran möchte ich ein Update einleiten, das mir nicht leicht fällt. Zuhause ist etwas sehr Trauriges passiert. Die liebe Mutter meines Freundes ist plötzlich verstorben. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Es ist schwer, überhaupt Worte zu finden.

Marie hat letzten Monat schon von meiner Abreise berichtet. Ich habe geweint, Marie hat geweint. Wir haben zusammen geweint. Es waren schwere Tage, nach der Nachricht, die uns so sehr erschüttert hat. Danke für eine wunderschöne gemeinsame Reise und deine Unterstützung, die ich sehr zu schätzen weiß.  

Ich bin seit Mitte Mai wieder in Deutschland und lebe bei meinem Freund, wie es schon lange geplant war. Manchmal muss man um die halbe Welt reisen, um jemandem zu helfen. Helfen, das Gefühl zu geben, dass man nicht allein ist. Niemand ist allein. 

Wie geht es hier weiter? 
Mittlerweile ist wieder etwas Zeit vergangen und wir befinden uns in einer Art Alltag. Ich werde die finalen Posts aus Neuseeland die nächsten Tage veröffentlichen und auch sonst voraussichtlich weiter fleißig Bilder posten.

Abel Tasman // Bark Bay to Awaroa

Mittwoch, 12. März 2014

An unserem dritten Tag unserer langen Wanderung brachen wir wieder morgens in aller Ruhe auf. Diese Ruhe währte nur nicht lange, da wir zum anstrengendsten Stück gleich zu Anfang kamen. Die Steigung zog sich und zog sich. Sie wurde immer steiler und wir gingen Ewigkeiten nur bergauf. Unsere Herzen schlugen in der Hitze. Immerhin war es im Schatten etwas kühler und mit ein paar Pausen kamen wir schließlich bald oben an.
Den ganzen weiten Weg ging es dann natürlich geich wieder nach unten auf Meeresspiegel. Wie könnte es anders sein. Wir machten Essenspause an einem der vielen Campingplätz (sind wir froh, dass wir nicht noch ein Zelt mitschleppen) und setzten uns an den Strand. Dann ging es wieder bergauf und bergab und wir kamen am Ohinemutu Beach an. Dieser Abschnitt des Tracks führte uns ganz am Strand entlang und über eine Brücke in Richtung der Hügel. Wir würden jetzt für einige Zeit nicht mehr am Wasser entlanglaufen sondern so ziemlich querfeldein in Richtung Awaroa gehen. Dieser Teil zog sich ebenfalls wieder. Nach weiteren zwei Stunden kamen wir an eine Abzweigung. Hier gab es mehrere Möglichkeiten. Man kann einmal außen herum über weitere viele Hügel wandern oder man biegt rechts ab und würde nach einer halben Stunde an ein weiteres Inlet kommen, dass man bei Ebbe überqueren kann. Wir rechneten, dass wir es noch ganz gut schaffen würden und gingen natürlich den kürzeren Weg.
Und nach ein paar Minuten kamen wir erneut an eine Abzweigung, die uns zu einer Lodge führt, an der es auch ein Cafe gibt. Wir überlegten nicht lang. Wir hatten die letzten beiden Abende nur Nudeln und trockenen Reis gegessen, der nach dem Metall unseres geliehenen Gaskochers schmeckte. Wir bestellten Pommes und freuten uns unseres Lebens über die riesige Portion. Heute würden wir nicht mehr kochen müssen. Als wir in den Abel Tasman aufbrachen, war das das Letzte, was wir erwarteten, aber gut. Es gibt nämlich viele Touristen, die sich ein Wassertaxi oder Boot von Marahau nach Awaroa nehmen, in der Lodge residieren, im Cafe gehoben essen gehen und verschwitzte Backpacker schief anschauen.
Endlich wieder satt gingen wir noch die letzte Stunde zu unserer Hütte. Wir überquerten den kleinen Strom im Inlet und gingen durch wunderbare Landschaft in Richtung der größeren Hügel hinter der Hütte. Der Himmel zog sich zu und wir waren froh, dass wir schon am Tag zuvor gewaschen hatten und ich meinen Rucksack als Wäscheleine umfunktioniert habe, damit mal endlich das Handtuch trocknen kann.
Wir gingen noch etwas am Wasser spazieren und schauten zu, wie das Wasser langsam das riesige Awaroa Inlet überflutete.