Tongariro Alpine Cossing

Sonntag, 12. Januar 2014

Am 10.12.13, es ist in der Tat schon einen ganzen Monat her, wanderten Marie und ich die 19,4 Kilometer des Tongariro Alpine Crossing Tracks. Eigentlich wollten wir an diesem Tag schon zu unserer nächsten Wwoofing-Familie fahren, aber wegen schlechter Wetterbedingungen verschoben wir die Wanderung. Geschichten derjenigen, die am Tag vorher gelaufen waren und erzählten, es sei durchgehend neblig, regnerisch und windig gewesen, schreckten uns ab. Wir wollten nicht bei 70 km/h Windgeschwindigkeit auf dem Krater rumkraxeln. Zwei Tage zuvor erging es jemandem so. Bis auf ihn sind alle der Gruppe umgekehrt. Er fand sich dann mit Todesangst kriechend am Kraterrand wieder. Er konnte hinterher drüber lachen, aber wir können uns auch etwas besseres vorstellen, als dorthinein geblasen zu werden. 
So brachen wir mit einer ganz guten Wettervorhersage morgens um kurz nach 7 auf. Ein Bus holte uns und 50 andere aus dem Hostel ab. Unsere Namen wurden abgehakt, dass man Bescheid wüsste, sollten wir verloren gehen. Darum wird empfohlen, immer einen Busservice zu nutzen. 
Wir sahen nichts, es war total neblig. Wir fuhren über enge Schotterstraßen und kamen nach einer halben Stunde am Startpunkt an. Der Busfahrer klärte uns noch über einiges Wichtige auf. Dass er jeweils um 3 und um halb 5 Uhr nachmittags am Zielpunkt, dem Ketetahi Carpark auf uns warten würde. Dass wir doch bitte ein Bild von der Karte des Weges machen sollten, damit wir immer wüssten, wieviel Zeit wir uns für welchen Abschnitt nehmen dürften. Wer will schon nachts auf aktivem Vulkangelände rumstolpern? Dass es, wenn eine Lawine voll heißem Schutt auf uns zufließen sollte, gar keine so schlechte Idee wäre, höheres Gelände aufzusuchen. Dass sich der Krater immer auf unserer rechten Seite befindet, sollten wir nichts sehen können und wir deshalb lieber nach links abstürzen wollen würden. Danke für die Tipps.
Zusammen mit unserer Zimmerkollegin Verena machten wir uns im Dreiergrüppchen auf den Weg.




Man kann sich die knapp 20 Kilometer so vorstellen, dass man ziemlich genau die Hälfte davon nur bergauf läuft und die anderen 10 Kilometer dann bergab. Das ist dann auch wirklich so anstrengend, wie es klingt. Bis zu den Soda Springs, die sich auf Höhe des Toilettenhäuschens (Bild 5) 
 befinden, ist die Steigung noch moderat zu schaffen. Also, man denkt es sei anstrengend, bis man die ersten paar hundert Meter auf dem Devil's Staircase gelaufen ist. Sich gute 500 Höhenmeter(!) nur auf Treppenstufen und engen, extrem steilen Windungen bergauf zu schieben ist eine Erfahrung für sich. Man ist ja nur gerade schon zwei Kilometer bergauf gewandert. Da macht stundenlanges Laufen im Treppenhaus des Teufels dann auch nichts mehr. Marie und ich können uns nicht erinnern, wann unsere Herzen das letzte Mal so heftig schlugen. 
Aber selbst des Teufels Treppenhaus hat irgendwo ein Ende. Die letzte Stufe fühlte sich super an. Wir ignorierten den Fakt, dass es spaeter anscheinend noch weiter bergauf gehen sollte. Vorerst fanden wir uns auf absolut ebenerdigem Gebiet wieder. Es sah aus wie auf dem Mond. Traurig waren wir nur über den vielen Nebel. Normal sieht man schon hier eine total beeindruckende Vulkanlandschaft. Hier wurden übrigens auch Szenen von 'Herr der Ringe' gedreht.



Das ebenerdige Stück Mond war viel zu kurz und ehe wir uns versahen, waren wir wieder am Kraxeln. So standen wir schließlich am Rand des Red Crater, auch wenn wir nicht wirklich hineinsehen konnten, weil uns der Nebel die Sicht versperrte. Den relativ starken Wind spürten wir trotzdem. Er war wirklich kräftig und es war furchtbar kalt. In weiser Voraussicht liehen wir uns im Hostel Mützen und Handschuhe aus. Das war eine brauchbare Idee gewesen. So ging es dann am Rand des Kraters weiter aufwärts. Und im Nachhinein kann ich sagen, dass dies die gefährlichste Stelle war. Nichtmal wegen dem Wind. Wir passierten einen Bereich mit feuchtem Gestein, rechts war die Kraterwand, links ging es steil bergab. Man konnte durch den Nebel gerade so vorwärts sehen und etwas, das annähernd wie ein Weg aussah, gab es nicht. Das helle Gestein war so rutschig und man kam sich vor, als würde man in einer Felswand klettern. So musste ich mich zumindest festhalten. Ein falscher Schritt, ein Abrutschen und man liegt da. Irgendwo tief unter dem Nebel. Zum Glück war dies nach zwei Minuten wieder vorbei und wir betraten schwarzes Vulkangestein. Bergauf ging es weiter und das bröckelige, abrutschende Gestein machte es nicht gerade leichter. Wir waren so glücklich, als wir ganz oben ankamen. In eisiger Kälte und ohne Aussicht machten wir eine Pause, die nicht allzu lange dauerte. Wir wussten ja, dass es jetzt erstmal nicht mehr schwerer werden würde.



Wir gaben uns Mühe, nicht den ganzen Krater, den wir von der anderen Seite heraufgestiegen waren, herunterzukullern. Seitwärts abzusteigen war die sicherste Möglichkeit. Und nach einigen Schritten klarte sich der Himmel ein wenig auf. Die Emerald Lakes! Wir konnten etwas sehen! Marie hatte sich so sehr auf sie gefreut und deshalb waren wir umso glücklicher, dass sich das Wetter endlich besserte. Genau auf der Mitte unserer Wanderung. Wir schauten uns die türkisblauen Bergseen einige Zeit an und machten viele Bilder, bis wir beschlossen weiterzugehen.



Der Weg führte uns durch ein kleines Tal und wir waren von der Aussicht begeistert. Wir sahen den Red Crater endlich rot leuchten. Der große Berg im Hintergund blieb aber leider erstmal verborgen. So gingen wir in Richtung des Blue Lake. Offensichtlich taten uns dies bereits überstolze Baden-Württemberger und superwitzige Bayern gleich.




Mittlerweile waren wir schon in dem Bereich, in dem die Gefahr am größten ist. Der rauchende Vulkan ist erst vor zwei Jahren ausgebrochen und die Erde soll oft mal ganz schön wackeln. Dafür gibt es dann an manchen Punkten Schilder, die rot aufleuchten, wenn das Risiko zu groß ist und man umkehren muss. An unserem Startpunkt stand ein Schild, auf dem das vulkanische Risiko angezeigt wird. Kein 'moderate' oder 'high'. Es war 'normal'. Ein normales vulkanisches Risiko. Ich musste schmunzeln, warum ich das hier denn eigentlich machen würde.. 
Die Neuseeländer sind was so vieles angeht um einiges entspannter. Wenn man auf den Reibungspunkten tektonischer Platten und damit verbunden zwischen Vulkanen aufwächst, ist das gar nicht so weit hergeholt. Aber irgendwo muss die tolle zusammengequetschte Landschaft ja herkommen. So genossen wir drei den wundervollen Blick und liefen weiter bergab. Als wir an der Ketetahi Schutzhütte ankamen, waren wir langsam wirklich erledigt. Die Füße fingen ganz schön an zu schmerzen. Sonst fühlte ich mich noch ganz okay. Wir machten kurz Pause. Nicht unbedingt, weil man auf Schildern darauf hingewiesen wird, dass man doch seine Pausen bitte auf ein Minimum einschränken sollte, weil man sich ja immernoch auf Vulkanen befände. Aber wir dachten, dass es nicht besser würde, wenn wir länger warteten und so machten wir uns an die letzen Kilometer. Diese zogen sich unheimlich.




Es ging an Abhängen vorbei, durch endlose Buschlandschaft, durch Wald und über Flüsse. Letztere führten nach den vorangegangen regnerischen Tagen nicht gerade wenig Wasser. Man schaue sich meine Hose an... 
Die letzen vier Kilometer fühlten sich unsere Füße wirklich sehr gebraucht an.Wir wollten nur noch ankommen und beeilten uns über die vielen Stufen nach unten. So viele. So viele.. Wir stiegen bergab und es schien kein Ende zu nehmen. 
Aber nach insgesamt sieben Stunden kamen wir am Parkplatz an. Es war kurz nach drei und der Bus war noch da. Zusammen mit sieben anderen 'Schnellgehern' fuhren wir zurück in unser Hostel. Die Duschen waren nicht belegt, weil wir im ersten Bus nur so wenige waren. Was für ein Glück..



Wir waren so froh, dass wir es ein wenig lediert aber dennoch geschafft hatten. Wir mussten nicht wie zwei andere abends vom Berg gerettet werden, weil wir zu kurz angezogen waren. Liebe Freunde, ich bitte euch, lest euch die Empfehlungen durch, bevor ihr ins Gebirge geht! Ich bin noch nie so etwas Gefährliches gelaufen und dafür habe ich meiner Meinung nach zu viele Menschen in Sandalen und/oder kurzen Klamotten gesehen. Es hat grundsätzlich irgendwas zwischen 0 und 10 Grad und Wind oben auf dem Krater. Im Sommer. Ich war wirklich froh über meine zig Lagen. Auch wenn die Leggings unter der Hose dann doch mal ein wenig warm war, war es besser als halb zu erfrieren. 

Das Tongariro Crossing zähle ich bis jetzt als mein absolutes Highlight in Neuseeland. Es wurde uns gleich in unserer ersten Woche von unserer damaligen Wwoofing-Familie empfohlen und wir haben auf den Tag hingefiebert.
Ich erinnere mich, wie Marie und ich sagten, dass wir nun in Neuseeland nicht unbedingt aktive Vulkane besteigen müssten. Genauso wenig wie wir Bungee springen wollten. Nun, das erste haben wir wohl doch gemacht. Ich hoffe ja noch, wir werden uns nicht von einer Brücke stürzen....

Kommentare:

  1. Haha, ich hab das Tongariro Crossing auch gemacht und hab mich absolut nicht fit genug gefühlt :D Das letzte Foto ist super! <3

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  2. Unglaublich tolle Bilder dabei! Lg Meike ♥

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  3. Hallo Sarah,

    das sieht wirklich nach ABENTEUER aus. Ich kann mir vorstellen, dass dies eines der aufregendsten Erlebnisse war. Ich hoffe, dass es das gefährlichste bleibt. :)

    LG Daniel

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  4. Dafuer hat sich deine Arbeit mit den Fotos wohl gelohnt, der Post ist so toll Sarah!
    Und ich bin sehr gluecklich, das Crossing mit dir gemacht zu haben :)

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Merci ♥